Die Koalition kündigt an, sich auf EU-Ebene für eine umfassende und ambitionierte Eiweißstrategie einzusetzen. Ziel ist es, den heimischen Anbau von Eiweißpflanzen – wie z. B. Soja, Lupinen oder Erbsen – zu stärken und damit die Abhängigkeit von Importen (etwa aus Südamerika) zu verringern. Zusätzlich sollen nachhaltige, alternative Proteinquellen entwickelt und in ihrer Markteinführung gefördert werden.
Aus tierrechtlicher Perspektive ist dieser Vorstoß grundsätzlich positiv zu bewerten. Der Anbau heimischer Eiweißpflanzen reduziert die Notwendigkeit, importiertes Soja für die Tierfütterung zu verwenden – dessen Anbau oft mit Regenwaldzerstörung und massiven ökologischen Schäden einhergeht. Noch wichtiger ist die angekündigte Förderung nachhaltiger, alternativer Proteine: Dazu zählen pflanzliche Fleischalternativen, kultiviertes Fleisch und Fermentationsprodukte, die potenziell tierleidfrei produziert werden können.
Diese Maßnahme könnte – richtig umgesetzt – einen zentralen Beitrag zur Reduktion der Nutztierhaltung leisten und somit auch das systematische Leid von Milliarden Tieren in der industriellen Tierproduktion verringern. Entscheidend wird jedoch sein, wie konkret, finanziell unterfüttert und prioritär diese Förderung ausgestaltet wird. Es fehlt im Text bislang eine klare Strategie zur aktiven Substitution tierischer Proteine durch pflanzliche oder zellbasierte Alternativen, etwa durch öffentliche Beschaffung, Forschungsoffensiven oder steuerliche Anreize.
Insgesamt stellt die Eiweißstrategie – insbesondere mit dem Fokus auf Alternativen – ein wichtiges Element für eine tierfreundlichere Agrar- und Ernährungspolitik dar, muss aber mit einer deutlich ambitionierteren Umsetzungspolitik flankiert werden, um ihr volles tierschützerisches Potenzial zu entfalten. Hierzu müsste der Fokus vor allem auf menschliche Ernährung und eine damit einhergehende Reduktion der Tierhaltung gesetzt werden und nicht auf heimischen Anbau von Eiweißpflanzen als Futtermittel in der Tierhaltung.
Verantwortung für Deutschland - Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 21, Legislaturperiode