Die Koalition erklärt die konventionelle und ökologische Landwirtschaft zu gleichwertigen Formen der Bewirtschaftung. Der Ökolandbau wird als zentraler Bestandteil einer nachhaltigen und klimafreundlichen Landwirtschaft hervorgehoben. Eine neue Biostrategie soll den Ökolandbau stärken – durch mehr Forschung, Bildung, staatliche Programme und Nachfrageimpulse, etwa in der Gemeinschaftsverpflegung. Gleichzeitig sollen bürokratische Hürden für den Ökolandbau abgebaut werden. Im Bereich Düngung wird ein Monitoring ins Düngegesetz aufgenommen, die Stoffstrombilanzverordnung abgeschafft und Betriebe mit besonders wasserschonender Praxis sollen von Auflagen befreit werden.
Aus tierrechtlicher Sicht zeigt der Abschnitt Licht und Schatten. Die explizite Stärkung des Ökolandbaus ist eher positiv, da dieser im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft zumindest höhere Tierschutzstandards aufweist und Wildtiere durch geringeren Pestizideinsatz sowie strukturreichere Flächen besser schützt. Problematisch bleibt jedoch die erklärte Gleichwertigkeit von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Diese rhetorische Gleichstellung ignoriert, dass konventionelle Tierhaltung mit gravierenden Tierschutzproblemen wie Enge, Bewegungsmangel, Schmerz- und Leidenszuständen einhergeht. Eine politische Anerkennung dieser Unterschiede fehlt. Auch Maßnahmen wie die Abschaffung der Stoffstrombilanzverordnung und die Entlastung bestimmter Betriebe in „roten Gebieten“ bergen Risiken: Sie könnten zu einer Lockerung von Umweltauflagen führen, was sich negativ auf Gewässer- und Bodenschutz – und damit indirekt auf die Lebensräume vieler Tierarten – auswirken kann.
Eine echte Agrarwende darf zwar nicht in der Illusion stehen bleiben, dass die ökologische Tierhaltung die Lösung sei – auch dort leiden Tiere unter Zucht, Ausbeutung und letztlich Tötung, auch wenn die Standards im Vergleich zur konventionellen Haltung in mancher Hinsicht besser angelegt sind. Dass die Koalition aber nicht einmal diesen Unterschied anerkennt, ist äußerst kritisch zu bewerten.
Verantwortung für Deutschland - Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 21, Legislaturperiode